Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt… - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt…

Vor genau 30 Jahren – im Herbst 1989 – führte mich mein Weg zu einem besonderen Friedensgebet. Es lag eine merkwürdige Stimmung in der Luft. Mit versteinerten Mienen kamen unzählige Menschen zur Kirche. Es wurde getuschelt, beobachtet, vereinzelt auch fotografiert. In den Gesichtern waren Angst, Verzweiflung, aber auch Entschlossenheit und etwas Hoffnung abzulesen. Die Menschen im Osten Deutschlands – in der ehemaligen DDR – wollten politische Veränderungen; und dafür gingen sie auf die Straße.

Vor wenigen Tagen habe ich mal wieder die Auszüge aus meiner eigenen Stasi-Akte gelesen. Die Ereignisse von damals wurden vom DDR-Geheimdienst genau dokumentiert. Diese Aufzeichnungen hätten mich in ein Internierungslager gebracht, ich galt als ein Aufwiegler und Unruhestifter, weil ich mich friedlich für politische Veränderungen einsetzte. Wir forderten Reisefreiheit, Pressefreiheit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit und freie demokratische Wahlen. Grundrechte, die eigentlich selbstverständlich scheinen, aber immer wieder gefährdet sind.

In diese angespannte Situation von damals hinein, erklang ein Lied mit einer bekannter Melodie. Der Jenaer Theologe Klaus Peter Hertzsch hatte es in diesen Tagen in diese Zeit (ursprünglich als ein Hochzeitslied) geschrieben und tausenden Menschen Mut gemacht: Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt…Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit…

Wir wissen heute, dass die friedliche Revolution von 1989 in Ostdeutschland die Mauer in Berlin, die innerdeutsche Grenze und auch den Eisernen Vorhang in Europa zu Fall brachte. Voller Gottvertrauen wuchs ein friedliches Europa mit offenen Grenzen und einer Demokratie, welche uns eine neue Freiheit schenkte. Achten wir darauf, dass uns diese von Gott geschenkte Freiheit niemand streitig macht.

Eine gesegnete Zeit, Ihr Pfarrer Martin Krautwurst