Capri: Erfolg der Projektwoche “Kirche und Kultur”

Projektwoche „Kirche und Kultur“– Lutherisch ganz spontan erleben

Ein Erfolg. Anders kann man das Experiment der „Kirche und Kultur“ Woche auf Capri nicht nennen. Das Konzept ist aufgegangen, das Ziel, die kleine Kirche in Capri für eine Woche zu beleben, wurde erreicht! Jeden Tag haben bis zu hundertfünfzig Menschen in der Kirche in der Via Tragara vorbeigeschaut, die von morgens bis Mitternacht geöffnet war und zu unterschiedlichen Veranstaltungen und Aktivitäten im Bereich Kultur, Musik, Kreativität und Spiritualität einlud.

Form angenommen hat das Projekt „Kirche und Kultur“ vom 2. – 8. September 2019 in den Köpfen von Cordelia Vitiello, die für die Gemeinde Neapel zuständig für die Insel ist, und von Pfarrerin Elisa Schneider, die für ein Jahr im Rahmen des Auslandsvikariatsprogramms der EKD  in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Neapel tätig ist und die offene Sommer Kirche Capri mit Leben, Spiritualität, Enthusiasmus und Passion zu füllen gewusst hat. Neben den fixen Teilnehmern der Projekt-Woche gab es jeden Tag Überraschungsgäste. Bewohner Capris, die die Gelegenheit nutzten, die evangelische Kirche zu besichtigen, die sie sonst meist verschlossen erlebt haben. Urlauber aus allen Teilen Italiens und aus aller Welt. Manche schauten nur kurz herein, andere entschieden sich, spontan zu bleiben, um an einem der zahlreichen Programmpunkte teilzunehmen.

Kirche und Kultur Capri 3Diskussionsrunden, (Spontan)Konzerte, kreative Aktivitäten, eine Buchvorstellung („Farida – dalla Siria a Berlino via Lampedusa“ von Giulia Campece), ein Vortrag von Renato Esposito über vier berühmte Persönlichkeiten auf der Suche nach der Zauberinsel (Krupp, Rainer Maria Rilke, Monika Mann und der Stifter der evangelischen Kirche auf Capri, Hugo Andreae) oder die Projektion des Films „Tarantelle napoletane“, den Caroline von der Tann, Gemeindeglied in Neapel, über ihre Gemeinde gedreht hat. Christiane Groeben, langjähriges Mitglied der Gemeinde Neapel und ehemalige Synodalpräsidentin kommentierte in einem Vortrag die von ihr liebevoll zusammengestellte Ausstellung zum 70jährigen Jubiläum der ELKI, die in der Kirche aufgebaut war. Wer wollte, konnte den Besuch auch für einen kurzen Austausch mit Pfarrerin Elisa Schneider oder ein gemeinsames Gebet nutzen.

Ein weiteres interessantes Thema, das während der Woche zur Sprache kam und von der Reisejournalistin Stefanie Sonnentag erörtert wurde, war der Spannungsbogen von Capri als Zauberinsel, als Sehnsuchts- und Rückzugsort für Intellektuelle und Künstler, für Menschen, die aus ihrem gewohnten Alltag aussteigen wollen, bis zu Capri als mondäne, vom Konsum geprägte  Urlaubsinsel, als Buon Ritiro für Prominente und Wohlhabende. Ein absolutes Highlight erwartete Teilnehmer und Zufallsbesucher am letzten Abend der Projektwoche: das Konzert „Kaos Bites“ von  Schülern der Musikschule Kaos Music Lab aus Anacapri. Talent, Leidenschaft und absoluter Musikgenuss.

Kirche und Kultur Capri 2Die kleine malerisch gelegene Kirche in der Via Tragara und ihr wunderschöner Garten wurde für eine Woche zu einem Ort der Einkehr und Begegnung, an dem die lutherische Identität in all ihrer Freiheit, Spontanität und Unabhängigkeit gelebt und gespürt werden konnte, und nicht zuletzt auch ein Ort der gelebten Ökumene.

Viele Menschen fanden aus Zufall den Weg in die Kirche, angezogen von den bunten Hinweistafeln oder den Klängen von Flöte, Gitarre oder Orgel. Hier ist besonders Christine Stazio-Feindt, Gemeindemitglied aus Neapel, zu erwähnen, die immer wieder kleine Programmpausen für spontanes Gitarrenspiel nutzte und die Menschen am Eingang der Kirche empfing. Sie war auch die Ideengeberin für viele der interaktiven Kreativ-Stationen. Die Passanten erlebten ihren Zufallsbesuch als eine ebenso überraschende wie willkommene Pause, eine Einladung zum Innehalten, zum kurzzeitigen Aussteigen aus dem frenetischen Ferien-Alltag.

Die Kirche ist nun wieder für die meiste Zeit des Tages verschlossen,  die Urlauber verlassen nach und nach die Insel, aber die Woche hat Spuren hinterlassen, in den Teilnehmern und auch in den Menschen, die auf Capri leben und einen weiteren Platz kennengelernt haben, der dazu beiträgt,dass ihre Insel auch weiterhin ein Sehnsuchtsort, eine Zauberinsel bleibt.

Kirche und Kultur Capri 4Die evangelische Kirche in der Via Tragara auf Capri wurde am 24. Dezember 1899 eingeweiht und ist auf Betreiben eines deutschen Kirchbau-Vereins gegründet worden mit dem Ziel, wohlhabenden deutschen Urlaubern während ihrer Kur- und Ferienaufenthalte den Gottesdienst zu ermöglichen. Der Bau wurde vornehmlich von einer Gruppe Frankfurter Bürger finanziert. Bis zu den beiden Weltkriegen lebte zudem eine nicht unbedeutende Gruppe von Deutschstämmigen auf der Insel im Golf von Neapel. Nach 1945 wurde es still um die kleine Kirche, die nur dank privater Förderer weiter Bestehen konnte. Am 12. Januar 1989 wurde sie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien übereignet. Sie ist sporadisch geöffnet und sehr beliebt für Hochzeiten bzw. als Austragungsort für Konzerte.

 

nd