Abschlussfeier von “Happy English” in Norcia - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Abschlussfeier von “Happy English” in Norcia

Ein kleines Projekt mit großer Wirkung – See you again im September

Jeden Freitagnachmittag scheint in Norcia in Umbrien die Sonne. Auch wenn es draußen grau ist, regnet oder stürmt. Der Lichtstrahl heißt Happy English – ein Projekt für die Kinder der zweiten Grundschulklasse. Norcia wurde vor drei Jahren von einem Erdbeben zerstört und liegt heute noch in Trümmern. Das diakonische Projekt wurde finanziert mit Mitteln aus den Kollekten aller Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien.

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Eine Geisterstadt, die in drei Jahren nur wenig von ihrem desolaten Aspekt verloren hat. Staub und Steinhaufen, leere Fensterhöhlen, aufgerissene Häuser-Kadaver. Die Kathedrale San Benedetto in Trümmern. Häuser, Schulen, Infrastrukturen sind noch nicht wiederaufgebaut, die Mehrzahl der Bewohner lebet noch in Containern, den sogenannten Moduli. Das kleine Projekt der ELKI hat in den letzten zwei Jahren den Kindern und Eltern Freude und Ablenkung beschert, Augenblicke der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Am 15. Juni haben alle zusammen den Abschluss des zweiten Jahres von Happy English gefeiert. Eigens dazu aus Rom angereist in Vertretung der ELKI sind die Diakoniebeauftragte der ELKI Daniela Barbuscia und die Diakonie-Referentin der ELKI-Gemeinde Rom, Gertrud Wiedmer. Im Saal des Tourismusbüros der umbrischen Stadt haben die Kinder auf der Bühne vorgeführt, was sie in diesem Jahr gelernt haben. Lieder, kleine Texte und ein Theaterstück, Rotkäppchen. Alles auf Englisch.  Wer die strahlenden Augen der Kinder und die stolzen Eltern gesehen hat, konnte sofort verstehen, dass auch kleine Dinge eine große Wirkung haben können.

Daniela Barbuscia und Gertrud Wiedmer sind nicht mit leeren Händen nach Norcia gekommen. Jedes Kind hat eine Trinkflasche aus Metall erhalten (wie sie auch im Rahmen der Synode im April an alle Teilnehmer und Gäste verteilt worden war). Ein Zeichen der ökologischen Verpflichtung der ELKI und eine kleine Aufforderung an Kinder und Familien zum verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt. Noch wichtiger aber war das zweiGeschenk: das Versprechen, dass das Projekt Happy English auch im nächsten Schuljahr weitergeführt wird!

Zurück in Rom haben Daniela Barbuscia und Gertrud Wiedmer noch unter dem Einfluss der fröhlichen und stolzen Kinder ihre vielen Eindrücke festhalten wollen.IMG-20190616-WA0007

Daniela Barbuscia: “Ein phantastischer Nachmittag! Die Kinder haben zusammen mit ihren Eltern eine Aufführung auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen konnte: Lieder, kleine Vorträge und das Theaterstück. Wir haben uns reich beschenkt gefühlt und haben den Erfolg dieses kleinen Projekts sozusagen mit Händen greifen können!
Wir haben den Kindern wie auch im letzten Jahr ihr Teilnahmediplom und dazu die ELKI-Trinkflasche überreicht. Ein besonderes Geschenk, das auch einen erzieherischen Hintergrund hat: wir wollen damit die Achtsamkeit auf die kleinen Dinge fördern und zur Verantwortung für unsere Umwelt aufrufen, aufzeigen, dass jeder etwas tun kann, z. B. indem man den Plastikverbrauch einschränkt. Aus dem warmen Dank der Eltern und Kinder, die im nächsten Jahr die dritte Grundschulklasse besuchen werden, konnten wir erkennen, wie wichtig dieser Englisch-Kurs, diese Nachmittage mit Spiel und Musik in dieser Stadt sind, die seit dem Erdbeben nichts anderes mehr zu bieten hat.  Am Freitagnachmittag lernen die Kinder nicht nur Englisch, sie haben vor allem richtig Spaß zusammen! Sie lernen spielerisch. In Norcia und Umgebung steht leider immer noch alles still. Die meisten Familien leben noch in provisorischen Notunterkünften und warten immer noch vergebens darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können. Der vergangene Winter war sehr hart und vor ihnen liegt ein Sommer, der nichts besseres verspricht, heiß wie die Hölle.
Die Freitagstreffen haben aber noch einen anderen Vorteil, sie fördern den Zusammenhalt untereinander, bilden eine Gruppe, in der man sich aufgehoben und zugehörig fühlt. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern, die die Kinder begleiten. Was noch sagen…. Sie haben uns und den Gemeinden der ELKI immer wieder gedankt für dieses zweite Jahr und als ich mitteilte, dass das Projekt auch im nächsten Jahr finanziert wird von den Gemeinden, waren wir gerührt, als wir die Freude auf den Gesichtern lasen. Vor drei Jahren, nach dem Erdbeben, nach den ersten Hilfeleistungen, die unter dem ersten Schock dieser Naturkatastrophe von überallher zu kommen schienen, haben sich die Einwohner von Norcia nur zu bald allein gelassen gefühlt. Allein mit ihrem Elend, allein mit den Trümmern. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien hat damals auch Soforthilfe geleistet, aber danach ist sie präsent geblieben und sie wird es auch in Zukunft bleiben.”IMG-20190616-WA0009

Gertrud Wiedmer: “Die Trümmer auf den Straßen sind inzwischen beseitigt und es haben sogar einige kleine notdürftige Läden längs der Straßen aufgemacht, wo sie Spezialitäten aus Norcia und Umgebung verkaufen. Wurstwaren, Schinken usw. Die Kathedrale San Benedetto, einst der ganze Stolz dieser Stadt ist immer noch ein trostloser Steinhaufen so wie wir ihn vor einem Jahr vorgefunden haben.  Es werden noch viele Jahre bis zum Wiederaufbau vergehen und bis die Familien aus den provisorischen Notunterkünften ausziehen können. Viele haben jede Hoffnung auf eine Zukunft hier verloren, viele spielen mit dem Gedanken, Norcia und Umbrien zu verlassen. Wer bleibt? Unsere Freunde vom Projekt Happy English tun alles dafür, um den Kindern einmal in der Woche eine Abwechslung zu bieten und sie die triste Umgebung vergessen zu lassen. Und auch der English-Unterricht an sich ist ein Zeichen, das in die Zukunft weist. Das Theaterstück Rotkäppchen auf Englisch hat uns fast zu Tränen gerührt. Ein kleines Projekt mit einer großen Wirkung!”IMG-20190616-WA0005

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