Wäre Jesus auf Facebook?

„Jesus wäre heute auf Facebook!“, behauptet einer unserer Konfirmanden. – „Nein“, antwortet ihm eine Frau aus unserer Gemeinde entschieden. „Jesus suchte immer den persönlichen Kontakt zu den Menschen.“

Hätte Jesus Facebook, Twitter oder Instagram als Mittel genutzt, um seine Botschaft vom Reich Gottes möglichst vielen Menschen weiterzusagen? Oder hätte er eher dafür plädiert, das Smartphone einfach einmal auszuschalten, um sich wieder ungestört auf sich selbst und andere zu besinnen?

In der Geschichte des Christentums wurden immer auch die neuesten Medien genutzt: Der Apostel Paulus hielt Kontakt mit seinen Gemeinden durch Briefe. Buchdruck und Flugschriften trugen wesentlich zur Ausbreitung der Reformation bei. Und Fernsehgottesdienste haben heute längst eine feste Zuschauer-Gemeinde.

Twitter, Facebook oder Instagram bieten die Möglichkeit, mit vielen Menschen in Kontakt zu sein. Längst durchdringen sich „reale“ und „digitale“ Wirklichkeit in unserem Alltag. Informationsbeschaffung und Meinungsbildung erfolgt mehr und mehr im World-Wide-Web. Kirche muss, um das Evangelium von Jesus Christus zu verbreiten, deshalb auch die aktuelle Medien nutzen. „Wir haben die frohe Botschaft und die darf auch Spaß machen“, sagt etwa Jens Albers vom social-media-Team des Bistums Essen.

Drei Dinge sollte Kirche sich aber bewusst machen, wenn sie „social media“ nutzt:

Zum einen setzt es Menschen unter Druck, wenn sie immer wieder neu bewertet, „geliked“ und kommentiert werden oder es selbst tun. Dagegen haben gerade wir als Protestanten hochzuhalten, dass ich auch mit meinen Fehlern ein von Gott geliebter Mensch bin („Rechtfertigung allein aus Gnade“).

Zum anderen müssen wir Evangelischen als „Kirche des Wortes“ aufpassen, dass Sprache generell und religiöses Reden im Besonderen nicht verkümmern. Unser Glaube drückt sich in Poesie (Lieder) und gebundener Sprache (Gebete) aus. Wir verwenden Gleichnisse, um uns dem Unsagbaren anzunähern. Das lässt sich nicht mit 140 Zeichen oder ein paar „Emojis“ beschreiben.

Und schließlich: Wer viele „Followers“ oder „Friends“ im World-Wide-Web hat, kann trotzdem einsam sein. Echte Freundschaft braucht den lebendigen Austausch und wirkliche Nachfolge Jesu fordert von uns mehr als nur ein Zuschauen. Es ist eine Lebensentscheidung.

Pfr. Friedemann Glaser

(Vom Miteinander 5/2018)