„Ab in den Urlaub...“ - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

„Ab in den Urlaub…“

Wenn ich diese Zeile irgendwo lese, kommt mir gleich eine Melodie in den Kopf. Ihnen geht es vielleicht genauso.

Ich frage mich: Wo kommt das her? Also, nicht die Musik in meinem, Ihrem Kopf, sondern die Idee, die Möglichkeit von Urlaub.

Wer hat’s erfunden? Auch so eine Floskel aus der Werbung. Die waren es, glaube ich, diesmal nicht.

Ur-laub meinte früher die Er- laub- nis, sich von der Truppe, vom Fürstenhof oder auch von den Feldern des Lehnsherrn zu entfernen. Man fragte den Altbauern, den „Ur“ oder eben den Vorgesetzten darum, und dieser gewährte es oder auch nicht. So reiste Goethe seinerzeit noch unerlaubt durch Italien, in ständiger Angst, zurückgerufen zu werden.

Nach Anfängen für die Staatsdiener Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich Urlaub als bezahlte Freistellung von der Arbeit erst vor 100 Jahren durch. Das ist noch gar nicht lange her – und doch für uns bereits so selbstverständlich. Von Anfang an diente der Urlaub vor allem zur Erholung und zum Verreisen. Zumindest den ersten Aspekt entdecke ich auch in einer viel älteren Schrift: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du (und alle anderen auch nicht) keine Arbeit tun.“ So steht es im 2. Buch Mose, Kapitel 20 als eines der 10 Gebote.

Der Gedanke, dass wir Menschen nicht ständig arbeiten können, sondern Zeit zur Erholung brauchen, ist also bereits ein ganz alter. Und begründet wird er damit, dass schließlich auch Gott nicht immerfort gearbeitet hat, sondern sich nach den sechs Tagen der Schöpfung unserer Welt, erst einmal einen ganzen Tag Pause gegönnt hat und ausruhte.

Der Urlaub ist für mich so etwas wie der große Bruder vom wöchentlichen Sonntag. Er unterbricht die Phase des Arbeitens und ermöglicht dadurch neben der Erholung auch den Abstand zum Alltag. Manches wird von uns noch unbedingt „vor dem Urlaub“ erledigt und anderes auf die Zeit „nach dem Urlaub“ verschoben. Gut, wenn das gelingt und nicht noch irgendetwas mitgenommen werden muss, um es während des Urlaubs zu erledigen. Das Ausruhen beginnt erst dann, wenn wirklich alle Arbeit und auch das Denken daran, abgeschaltet werden kann.

Wie das Ausruhen von der Arbeit am besten gelingt und wie man demzufolge den Urlaub am besten gestaltet, darüber steht in den 10 Geboten übrigens nichts. Für den Sabbattag haben sich zwar in den folgenden Jahrhunderten im Judentum unzählige Vorschriften herausgebildet – aber wie sinnvoll diese sind, darüber kann man streiten. Und uns Christen sind diese nicht auferlegt. Also schauen Sie selbst, wie Sie sich am besten erholen: Ob Aktivurlaub, Bildungsurlaub, Gartenarbeit, Balkonien, Verwandtschaftsbesuch oder Pilgerreise – was dem einen zur Erholung dient, kann für den anderen Schwerstarbeit bedeuten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie für sich das Richtige finden und dann geht’s beruhigt ab in den Urlaub.

 

Carsten Gerdes

Pastor in der evangelisch ökumenischen Gemeinde Ispra-Varese