Fußball ist mehr als nur ein Sport - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Fußball ist mehr als nur ein Sport

8xMille-Projekt der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Neapel – Dreimal pro Woche Trainer und Tutor für Kinder und Jugendliche der Quartieri Spagnoli

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde von Neapel unterstützt seit Anfang Mai ein neues diakonisches Projekt mit Mitteln aus dem 8xMille-Fond im Stadtviertel „Quartieri Spagnoli“: Dreimal in der Woche können Kinder und Jugendliche mit einem Trainer Fußball spielen. Zu dem Projekt gehört auch eine sozial-psychologische Betreuung.

Ein Bild, das viele vor Augen haben, wenn sie Neapel hören. Mehrstöckige alte Häuser, Fassaden mit abblätterndem Verputz und enge Gassen, buntbehängte Wäscheleinen vor dem Himmel, lautes Treiben, Gerüche, Stimmengewirr, Radio und Fernsehen aus den offenstehenden Fenstern, (improvisierte) Läden und Werkstätten, Straßenverkäufer. Türen, die direkt von der Straße in die „Bassi“ führen, die für Neapel typischen Parterrewohnungen, wo Küche, Schlaf- und Wohnzimmer eines sind. Das sind die Quartieri Spagnoli, die spanischen Viertel.

Mitten im Zentrum Neapels gelegen, mit mehr als 14.000 Einwohnern dicht besiedelt, die meisten Bewohner sind alteingesessene neapolitanische Familien, aber in den letzten Jahren zunehmend auch Migranten, ebenso wieFoto 2, Intellektuelle und Künstler. Eine Peripherie mitten im Stadt-Zentrum, mit allen dafür typischen Problemen. Armut, eine sogar für Neapel hohe Arbeitslosigkeit, niedriger Bildungsstand der Bewohner, insbesondere auch der Jugendlichen. Auf hundert kommen im Schnitt nur zwei mit Hochschulreife, die anderen haben den Mittelschulabschluss nach acht Jahren Schule. Viele Jugendliche und auch die Kinder hängen vor dem Fernseher oder dem Smartphone herum. Infrastrukturen gibt es kaum. Wenig Bewegung, Coca Cola und Chips sind an der Tagesordnung. Die Risiken eines solchen Alltags sind nur zu bekannt, denn hier bietet sich ein willkommenes Revier für die Malavita auf der Suche nach Nachwuchs.

Anna Stanco hat vor mehr als 40 Jahren zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Lina die Beratungsstelle „Associazione Quartieri Spagnoli“, AQS, gegründet. Eine Anlaufstelle für alle Lebensfragen. Nachmittagsbeschäftigung und Hausaufgabenbetreuung für Kinder wird hier ebenso organsiert wie Betreuung von Frauen im Gefängnis oder jungen Müttern, kreative Kurse. Auch eine Art Jugendzentrum gehört dazu, la „Casa dei ragazzi“. Eines der Angebote hier ist Fußball. Fußball lässt nicht erst seit den Zeiten Maradonas das Herz eines jeden Neapolitaners höherschlagen. Aber Fußball ist viel mehr als nur ein Sport. Fußball heißt gesunde Bewegung, Fußball heißt Regeln, Fußball heißt, sich in einer Mannschaft, in einer gruppe einordnen.

Wir haben Caroline von der Tann, Diakonie-Beauftragte der ELKI-Gemeinde Neapel, zu diesem Projekt befragt.

Sie wohnen selbst in der Nähe dieses Viertels?

Caroline von der Tann: Ja, ganz in der Nähe und es berührt mich sehr, wenn ich sehe, wie Jungens sich mit Steinen oder Kreide ein kleines improvisiertes Fußballfeld auf die Gassen malen, um zumindest ansatzweise auf diesem beengtem Platz zu kicken.

Die Quartieri Spagnoli sind ein Stadtviertel mit schwierigem sozialem Hintergrund?

Caroline von der Tann: Sie sind eine für Neapel typische Peripherie im Herzen der Stadt. Hohe Jugendarbeitslosigkeit, wenig Angebote für Kinder und Jugendliche, die ab einem Alter von dreizehn Jahren oft untätig herumhängen, mit geringen Perspektiven.

Portrait_Caroline_von der TannFußball begeistert…

Caroline von der Tann: Sehr! Vor allem können wir den Jugendlichen in diesem engen Viertel ohne Infrastrukturen einen Platz zur Verfügung stellen. Aber es geht hier um viel mehr als nur Fußballspielen. Die Kinder und Jugendlichen sind in verschiedene Gruppen eingeteilt. Es gibt einen Trainer und bei Bedarf auch eine entsprechend ausgebildete Person, einen Tutor der bei auffälligen Situationen eingreifen und helfen kann. Fußball bedeutet aber auch Disziplin, Respekt vor anderen, Einhalten von Regeln, Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, erfordert Konstanz. Und natürlich auch Bewegung!

Hat das Projekt eine begrenzte Laufzeit, ein Jahr, zwei Jahre?

Caroline von der Tann: Nein. Es ist vorerst keine Zeitlimit vorgesehen, so etwas muss zu einer dauerhaften zuverlässigen Einrichtung werden. Ich würde da am liebsten auch noch weitergehen…

Dahin zielt genau die nächste Frage: Fußball ist ja eigentlich nur ein Sport für Jungen oder gibt es auch Mädchen? Bzw. ist auch ein Projekt für Mädchen vorgesehen, Volleyball oder so?

Caroline von der Tann: Es gibt unter den ganz kleinen zwei, drei Mädchen, die mitkommen und zuschauen…Bisher sind nur Jungens beteiligt, zwischen sechs und 16 Jahren, würde ich sagen. Natürlich wäre es ideal, auch etwas für Mädchen anzubieten. Aber mit irgendetwas muss man anfangen. Und Jungens sind in diesem Umfeld glaube ich tendenziell gefährdeter als Mädchen. Jedenfalls sind wir fest entschlossen in dieser Richtung auch weiterhin tätig zu sein. Wir müssen mit unseren 8xMille Mitteln dort eingreifen, wo es sinnvoll ist.

nd