Nur noch ein Toter mehr? - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Nur noch ein Toter mehr?

Tote gibt es viele, zu viele. Ich habe den Eindruck, es werden immer mehr. Die Ermordung von 50 Menschen in Christchurch durch einen weißen Rassisten; Menschen sterben auf der Autobahn oder durch häusliche Gewalt; tausende Tote durch den starken Wirbelsturm in Mosambik; immer wieder sterben Flüchtlinge auf ihrer Flucht im Mittelmeer;  nicht zu sprechen von unseren eigenen Angehörigen ..  und Jesus von Nazareth ist auch tot. Nur ein Toter mehr? Den wir auch nicht (gut) kennen, dessen Tod uns nicht beeindruckt, weil wir schon übersättigt sind mit Toten?

Tiebel-Gerdes

Auf einige Todesfälle reagieren wir. Natürlich reagieren wir und sind traurig, wenn wir die Menschen kennen, die gestorben sind. Oder wir haben Mitgefühl, weil sie wichtige, bekannte Persönlichkeiten sind. Aber in den anderen „Fällen“? Da sind wir geschockt, haben Angst oder wir haben uns daran „gewöhnt“.

Der eine weitere Tote, Jesus von Nazareth, gehört in die Reihe derer, die uns nichts angehen: unbekannt, weit weg – da regt sich in vielen Menschen nichts mehr. Karfreitag – na und? “So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“. Dies ist der Bibelvers, der zum  Karfreitag gehört und der im Johannesevangelium steht.

Gott hat seinen einzigen Sohn sterben lassen? Dieser erschreckende Gedanke lässt mich über diesen Toten nachdenken. Ist das nicht brutal? Ist das Christentum nicht eine grausame Religion? Ein Kind fragt mich: „Wollte Gott wirklich, dass Jesus stirbt?“ Dieser Gedanke ist immer wieder neu befremdlich oder sogar abstoßend. Aber im Bibelvers ist von Liebe die Rede, vom ewigen Leben, von Hingabe. Das Wort „Tod“ taucht gar nicht auf. Es ging um die große Liebe Gottes für unsere Welt und die Menschen auf ihr. Und die konnte er offensichtlich nur so ausdrücken, in dem er sein Liebstes gab.

 Jesus selber wusste, dass dies sein Weg und sein Auftrag war. Er ging seinen Weg bis zum letzten Ende. Wenn er das  nicht getan hätte, dann hätte Gott seine Liebe nicht zeigen können. Dann hätte Gott ihn nicht wieder ins Leben holen können. Nur so konnte Gott aller Welt demonstrieren, dass seine Macht und seine Lebenskraft stärker sind als aller menschlicher Tod. Nur so können wir uns bei unseren vielen menschlichen Toten  mit dem Gedanken des ewigen, des neuen Leben trösten lassen. Das ist das Einzigartige bei diesem Toten, Jesus aus Nazareth.

Pfarrerin Magdalena Tiebel-Gerdes