Halt sagen! - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Halt sagen!

Jede Religion kennt Fastenzeiten und schon die alten Griechen übten sich in der Askese. Auch wenn Askese »Übung« bedeutet, verstehen wir es heute mehr als auf etwas zu »Verzichten«. Um was geht es beim Fasten überhaupt?

Wahrscheinlich kennen Sie die Evangelische Aktion „7 Woche ohne“. Aber ohne was? Ohne Smartphone, Facebook, Alkohol, Kaffee, Süßigkeiten…?

Fastenzeit kann für uns auch »Besinnung, Umkehr, Einkehr« bedeuten. Auf etwas Verzichten heißt, dass wir über unser Leben nachdenken, uns auf die Suche nach etwas begeben. Und das ist sicher nicht falsch. Rein geschichtlich gesehen erinnern sich die Christen in den Wochen vor Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu Christi und bereiten sich auf Ostern vor. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet am Karsamstag. Kalendarisch dauert die Passionszeit allerdings länger als 40 Tage, weil man die Sonntage als Feiertage vom Fasten und Büßen ausgenommen hat.

Aber fragen wir uns wieder, was ist eigentlich Fasten? Im Matthäusevangelium 6, 16-18 lesen wir:

16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Jesus sagt hier deutlich, worum es beim Fasten geht: Fasten ist eine „geistliche Übung.“ In diesem Sinn beschreiben wir mit diesem Wort die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Beim Fasten geht es nämlich eigentlich um genau das. Es geht nicht darum zu beweisen, was für ein guter Christ man ist. Fasten ist nicht als Werk gedacht, damit wir vor anderen oder vor Gott gut dastehen. Fasten bedeutet nicht, dass wir bei Gott irgendwelche Punkte sammeln. Wir müssen mehr in diese Richtung denken: wenn ich etwas tue, dann ist Gott sicher zufrieden mit mir. Aber so funktioniert das sicher nicht: Fein säuberlich meine Pluspunkte auf eine Sammelkarte kleben und dann, wenn sie voll ist kriege ich ja vielleicht bei Gott etwas extra. Oder ich kann damit meine Schulden ausgleichen…. Nein, bei Gott gibt es kein Bonussystem. Es gibt nur Geschenk und Nachfolge, Gnade und Hingabe. Fasten ist Ausdruck unseres Willens. Fasten heißt, etwas loslassen und mich auf die Beziehung zwischen Gott und mir zu konzentrieren.

Und was für einen „Fastenplan“ haben wir dieses Jahr? Beim Fasten sollen wir bereit sein, uns von äußeren Dingen zu lösen, uns von ihnen zumindest ein bisschen frei zu machen. Und auf der anderen Seite soll das Fasten uns den Blick für das Innere öffnen. Also genau der Zeitpunkt, um bewusst zu sagen: Halt.

Pfr. Aleksander Erniša, Triest

Foto: Improvvisamente la nebbia, Piera Seghetti; geschnitten. Quelle: Flickr (https://www.flickr.com/photos/57531797@N03/25862699440/in/photostream/)