Lebensende: Patientenrechte in 9 Punkten

Manifest „Zum Lebensende in einer medizinischen Einrichtung“ unterzeichnet von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Italien – Mitunterzeichner ist die Vereinigung der Evangelischen Kirchen in Italien, FCEI – Heiner Bludau, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, unterstreicht die Bedeutung des auf der Anerkennung der Menschenwürde und des gegenseitigen Respekts beruhenden Neun-Punkte-Abkommens

Das Lebensende ist eine Phase der Existenz, in der sich die verschiedenen Bereiche, die unser aller Leben Dekan Heiner Bludau1bestimmen, überschneiden. Pflege, Spiritualität, Religion, Kultur. Am 5. Februar haben Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften und Kirchen in Italien, darunter auch die Evangelischen Kirchen, das erste interreligiöse „Manifest zum Lebensende in einer medizinischen Einrichtung“ unterschrieben. Die Erklärung ist getragen von der Anerkennung der Menschenwürde und des gegenseitigen Respekts der religiösen, spirituellen und kulturellen Ausrichtung des Einzelnen. Heiner Bludau, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, ELKI, begrüßt diese Initiative: „Den Vertretern der Religionen und der Gesundheitsstrukturen ist es gelungen, mit dieser Erklärung ein Vakuum zu füllen. Sie haben nicht nur diskutiert, sondern konkrete Schritte gesetzt!“

Das Recht auf religiösen Beistand, auf den Respekt der eigenen religiösen Ausrichtung, des eigenen Kulturumfelds und vor allem das Recht, um die noch verbleibende Lebenszeit zu wissen und sie gemäß der eigenen religiösen und spirituellen Ausrichtung zu gestalten, auch in einer medizinischen Einrichtung wie einem Krankenhaus oder einem Hospiz, ist in dieser Erklärung in neun Punkten festgehalten. Ausgearbeitet wurde die Erklärung von der interreligiösen Gesprächsrunde in Rom zusammen mit Vertretern des Sanitätsbezirks Rom 1, des Gemelli Medical Centers – Universität Sacro Cuore.

Dekan Heiner Bludau ist überzeugt von der historischen Bedeutung dieser Erklärung: „Es ist ein hilfreiches Konzept für Menschen, die in Italien leben und die ihren Lebensmittelpunkt nach Italien verlegen, welchen Ursprungs auch immer sie sind.“ Er sieht in der Erklärung ein starkes Zeichen der Religionen, nicht nur ihre Bereitschaft zur Ökumene zu zeigen, sondern über ihre jeweiligen Gemeinschaften hinaus, Ökumene konkret umzusetzen. Die ELKI trägt als Mitglied der FCEI die Erklärung mit. Von jeher hat sich die ELKI intensiv mit dem Thema Lebensende auseinandergesetzt, wie auch der 2016 von der Synode verabschiedete Text „Patientenvorsorge aus christlicher Sicht“ zeigt. Die ELKI hat sich auch an der Diskussion um die das biologische Testament in der italienischen Gesellschaft aktiv beteiligt und auf die Verabschiedung des Gesetzes zur Patientenverfügung gedrängt, das im Februar des vergangenen Jahres in Kraft getreten ist.

An der Ausarbeitung der Neun-Punkte-Erklärung haben Protestanten, Katholiken, Orthodoxe, Juden, Muslime, Buddhisten und Hinduisten zusammen mit Vertretern des Gesundheitswesens und von Hospizen zusammengearbeitet. Unter den 18 Unterzeichnern sind unter anderem der Präsident der FCEI, Pastor Luca Maria Negro, der Vorsitzende der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Stefano Paris, die Präsidentin der jüdischen Gemeinschaft Italiens, Noemi Di Segni sowie der General-Sekretär des islamischen Kulturzentrums Italiens, Abdellah Redouane. Die italienische Gesundheitsministerin, Giulia Grillo, hat die initiative begrüßt.

nd

Die neun Punkte der Erklärung

  1. Das Recht der Selbstbestimmung über die verbleibende Lebenszeit
  2. Das Recht auf die Achtung der eigenen Religionszugehörigkeit
  3. Das Recht auf Beistand, der sich an der jeweiligen religiösen, spirituellen und kulturellen Sphäre orientiert
  4. Das Recht auf die Anwesenheit eines religiösen Vertreters bzw. eines spirituellen Beistands
  5. Das Recht auf Beistand vonseiten eines interkulturellen Mittlers
  6. Das Recht auf spirituellen Beistand auch von Vertretern anderer Religionsgemeinschaften
  7. Das Recht auf spirituellen und menschlichen Beistand für den Patienten und auch für seine Angehörigen
  8. Das Recht auf die Anerkennung der den Tod vorbereitenden und nach dem Tod angewendeten Rituale gemäß des eigenen Glaubens
  9. Das Recht auf gegenseitige Anerkennung