„Die ELKI ist heute angekommen“

Christiane Groeben, ehemalige ELKI-Schatzmeisterin und Synodalpräsidentin, derzeit Vize-Präsidentin der FCEI

Sie ist seit 1993 Mitglied der Synode und kennt die ELKI wie nur wenige. Ämter hatte und hat sie viele inne. Christiane Groeben war Schriftführerin der Synode, sie war zehn Jahre lang Schatzmeisterin und acht Jahre Synodalpräsidentin. Zurzeit ist die pensionierte Archivarin aus Neapel Chefredakteurin der ELKI-Zeitung Miteinander-Insieme sowie Vize-Präsidentin der FCEI mit der Zuständigkeit für die Kommunikation.

Wie lange sind Sie schon Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche in Italien?

Christiane Groeben: Seit ich in Neapel bin, das heißt seit 1967. Aber mir ging es zunächst so wie wohl vielen Gemeindegliedern. Ich ging in die Kirche, aber die ELKI habe ich nicht so wahrgenommen, das interessiert einen auch nicht unbedingt, wenn man nicht involviert ist.

Das heißt richtig in Kontakt gekommen sind Sie mit der ELKI erst, als Sie Synodale wurden?

Christiane Groeben: Ja und das war erst 1993, nach dem frühen Tod meines Mannes war ich zunächst vollauf beschäftigt, meine beiden Kinder alleine großzuziehen.

Als ehemalige Schatzmeisterin haben Sie eine besondere Beziehung zum Achtpromille-Fond.

Christiane Groeben: Das kann man wohl sagen. Ich war Schatzmeisterin als das erste „Ottopermille“ ausgezahlt wurde und war damit auch im Konsistorium in die Diskussionen involviert, wie wir dies angehen, wie wir diesen Fond aufteilen. Wir konnten uns ja zunächst überhaupt nicht vorstellen, was da zusammenkommen würde, mit den wenigen Mitgliedern, die unsere Kirche hat.

Und dann kam der Anruf vom Ministerium…

Christiane Groeben: (lacht) Ja und ich saß Gottseidank auf einem Stuhl als ich ihn entgegennahm. Sonst wäre ich vor lauter Überraschung umgefallen!

Das heißt, viel mehr als erwartet?

Christiane Groeben: Viel mehr und vor allem viele Unterschriften aus Zonen, wo wir als Kirche mit keiner Gemeinde vertreten waren. Zum Beispiel an der Ostküste. So entstanden verschiedene Gemeindeaufbauprojekte in Brindisi, auf Sizilien, in Turin, am Gardasee und später auch jenes in Bari. Wir haben einfach geschaut, wo viele Deutschstämmige angesiedelt waren und uns ausgerechnet, dass etwa 50% davon wohl evangelisch seien. Das kam auch ungefähr hin.

Es war am Anfang also eine Zeit der Experimente für Ottopermille?

Christiane Groeben: So könnte man es nennen. Die Verwendungszwecke waren in großen Zügen im Staatsvertrag (Intesa) festgeschrieben. Das Wo, Wie, Wieviel und für Wen ist Kompetenz der ELKI. Auf jeden Fall waren diese Fonds, die ja auch der Evangelisierung dienen sollen, eine Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit, auch von der EKD. Es ermöglichte uns den Schritt in die Eigenständigkeit. Wir haben aus diesen Prozessen sehr viel gelernt.

Vor Ottopermille wurden die Gehälter der Pastoren von der EKD gezahlt?

Christiane Groeben: Ja. In der ersten Zeit nach der Gründung der ELKI 1949 wohl nicht, aber dann schon. Die Gründung der ELKI war ja auch deshalb zustande gekommen, weil man hoffte, die bestehenden Gemeinden durch einen Zusammenschluss besser organisieren und auch finanzieren zu können.

Wie sehen Sie die ELKI heute?

Christiane Groeben: Die ELKI ist in diesen siebzig Jahren einen langen Weg gegangen. Vor zwanzig Jahren zum Zeitpunkt der fünfzig Jahr Feier war das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinden noch sehr im Wachsen. Es überwog eher der Stolz auf Eigenständigkeit und auch die Sprachidentität spielte eine größere Rolle als heute.

Die Gemeinden waren nicht nur als evangelisch-lutherisch, sondern auch als deutsch definiert. Eine Art Heimatverband?

Christiane Groeben: In gewissem Sinne vielleicht schon. Heute sehe ich eine mündige ELKI, sie ist angekommen, integriert in Italien, auch wenn vielleicht (noch) nicht alle Mitglieder der ELKI das so verstehen oder das auch von außen noch nicht alle wahrhaben wollen. Die ELKI ist heute verankert in der Vereinigung der evangelischen Kirchen in Italien, FCEI, wird auf gleicher Ebene wahrgenommen wie Waldenser, Methodisten und Baptisten und auch von den anderen (evangelischen) Kirchen in Italien anerkannt.

Sie sind auch Prädikantin?

Christiane Groeben: Ich habe am ersten Prädikantenkurs teilgenommen, davon sind heute noch fünf oder sechs „im Dienst“.

Sie haben nach dem Tod ihres Mannes nie daran gedacht, nach Deutschland zurückzukehren?

Christiane Groeben: Als ich in einen bestimmten Moment überlegen musste, ob meine Zukunft und die meiner Kinder in Deutschland oder in Italien liegen sollte, lautete die Tageslosung „Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen.“ Und so bin ich geblieben, in meiner Gemeinde und in meiner Kirche.

nd