Meran: ökumenische Begegnung in der Synagoge mit Lutheranern und Katholiken - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Meran: ökumenische Begegnung in der Synagoge mit Lutheranern und Katholiken

Chanukkafest im Zeichen der Ökumene
Präsidentin UCEI zu Besuch in der Synagoge Meran – Austausch mit Pfarrer Martin Krautwurst

Das jüdische Chanukka- oder Lichterfest in Meran Anlass für eine ökumenische Begegnung in der Synagoge mit Lutheranern und Katholiken – bis 9. Dezember 2018

Zum Ende des diesjährigen Chanukka-Festes am Sonntag, 9. Dezember, konnte die jüdische Kultus-Gemeinde von Meran ganz besondere Gäste begrüßen. Zum ersten Mal ist die Präsidentin der UCEI, Union der hebräischen Gemeinden in Italien, Noemi Di Segni nach Meran gekommen, begleitet wurde sie von Umberto Piperno, der als Rabbiner für die kleine jüdische Gemeinde in Meran zuständig ist. Auch der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde Meran, Martin Krautwurst hat sich zusammen mit dem katholischen Bischof Ivo Muser und dem Ökumene-Beauftragten der Diözese Bozen – Brixen, Don Mario Gretter zum Lichterfest in der Synagoge eingefunden. Die Präsidentin der jüdischen Gemeinde Meran, Elisabetta Rossi Borenstein, konnte auch Bürgermeister Paul Rösch in der Synagoge begrüßen.

„Gemeinsam erinnern, gedenken und das Leben feiern, über Gott und die Welt ins Gespräch kommen, Akzeptanz, Anerkennung und vor allem das Erleben der Gemeinschaft“, so Pfarrer Martin Krautwurst, „standen an diesem Abend in Meran im Vordergrund des Besuches.“

Das Chanukka-Fest oder Lichterfest erinnert ein wenig an Weihnachten. Das Lichter-Fest ist ein Fest der Freude, ein Fest der Familie und insbesondere der Kinder. Es dauert acht Tage und beginnt am 25. Tag des hebräischen Monats Kislev. Laut jüdischem Kalender befinden wir uns im Jahr 5779. An Chanukka gedenken die Juden der Wiedereinweihung ihres Tempels im Jahr 164 v. Chr. bzw. im Jahr 3597 nach jüdischer Zeitrechnung.

Während des achttägigen Chanukkafestes wird jeden Abend eine Kerze eines besonderen acht-, manchmal auch neunarmigen Leuchters entzündet. Der Zahl acht kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Acht ist gleich sieben plus eins, der Tag also, nachdem alles vollendet war. Der Tag über der Zeit, ein Tag, der an die Ewigkeit erinnert und an das Licht, das mit Gott allzeit in der Welt präsent ist.

Jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit wird eine weitere Kerze des Leuchters entzündet, bis zum 8. Tag. Die um den Leuchter versammelte Gemeinde oder Familie singt dazu besondere Lieder und spricht besondere Gebete. Bei einem neunarmigen Leuchter dient die neunte Kerze zum Anzünden der anderen. Kinder bekommen in dieser Woche Süßigkeiten und Geschenke. Zum Essen gibt es vornehmlich in Öl Gebackenes.

Die jüdische Kultus-Gemeinde Meran zählt zu den Kleinstgemeinden in Italien und hat keinen eigenen Rabbiner. Oft fehlt die notwendige Anzahl Männer, zehn, für das traditionelle Minjan, das Gebet in der Synagoge. Um 1930 zählte die Gemeinde 600 Mitglieder, heute sind es – wieder – an die 50. Die Synagoge wurde 1901 erbaut. Heute befindet sich im selben Gebäude auch das jüdische Museum, das die Geschichte der Gemeinde Meran erzählt. Die Gemeinde wird von Rabbi Piperno von der jüdischen Kultusgemeinde Neapel betreut.

nd