Gemeinsame Erklärung der ELKI und der Italienischen Bischofskonferenz CEI

Die ELKI und die Italienische Bischofskonferenz, CEI, geben zum Anlass des 500. Jubiläum des Reformationstages eine gemeinsame Erklärung heraus, in der sie die Bedeutung der Ökumene unterstreichen und betonen, dass das Gedenkjahr ein äußerst wichtiger Impuls für den ökumenischen Dialog war.

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 Aussöhnung zur gemeinsamen Verkündigung des Evangeliums

In brüderlicher Freundschaft zu Füßen des Kreuzes Christi

(nd) Rom, 31. Oktober 2017– Auf den Tag genau heute vor 500 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht und damit den Beginn gegeben zu einer Protestbewegung ohnegleichen, die als Reformation in die Geschichte einging. Eine Bewegung, die nicht nur weitreichende kirchliche und theologische Auswirkungen hatte, sondern ganz allgemein politisch-wirtschaftlicher und kultureller Art, europa- und auch weltweit. In allen Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche Italiens wird heute dieser Jahrestag begangen und gleichzeitig offiziell das Lutherjahr und auch die Lutherdekade beendet, eine Veranstaltungsreihe, die am 21. September 2008 begonnen hat und auf das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags am 31. Oktober 2017 hinzielte.

Die Lutherdekade und vor allem die Feierlichkeiten im Laufe dieses letzten Gedenkjahres waren vor allem auch Anlass für eine Vielzahl an ökumenischen Begegnungen und so nutzen ELKI und CEI den Symbolwert dieses 31. Oktober 2017, um eine gemeinsame Erklärung herauszugeben, in der sie den Wert der Ökumene unterstreichen.

Nach Jahrhunderten der Anfeindungen und des Schweigens hat sich der ökumenische Dialog in den vergangenen fünfzig Jahren mehr und mehr etabliert. Die Feierlichkeiten zur Veröffentlichung der 95 Thesen sollten ein weiterer Höhepunkt auf dem Weg der Annäherung werden. Vor genau einem Jahr nahm Papst Franziskus an der Reformationsfeier im schwedischen Lund teil, die den Auftakt des Lutherjahres gab. Dieser historische Besuch bewirkte auch im katholischen Italien ein großes, bis dahin nicht gekanntes Interesse für die Reformation und die evangelische Kirche und wirkte als Impulsgeber für einen intensiven ökumenischen Austausch mit der römisch-katholischen Kirche.

Zur Besiegelung dieser jüngsten Annäherung wird heute eine von Pfarrer  Heiner Bludau, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche Italiens und Bischof Ambrogio Spreafico, Vorsitzender der Kommission für Ökumene und interreligiösen Dialog der CEI, unterzeichnete Erklärung veröffentlicht. Aussöhnung zur Verkündigung des Evangeliums so der Titel des Dokuments, ”, das “die brüderliche Freundschaft zu Füßen des Kreuzes Christi” verstärken soll.

In ganz Italien ist das Lutherjahr Anlass für eine Vielzahl von interreligiösen Begegnungen, Tagungen und Veranstaltungen gewesen, sowohl in den Gemeinden der ELKI als auch in katholischen Gemeinden, an denen sowohl Kirchenvertreter als auch viele Gläubige beider Konfessionen mit großem Interesse und dem erklärten Willen zu mehr Gemeinschaft teilgenommen haben. Höhepunkt war eine Tagung Anfang Oktober im historisch bedeutungsvollen Trient, der Stadt der Gegenreformation, wo Erzbischof Lauro Tisi und der lutherische Bischof von Schaumburg – Lippe, Karl Hinrich Manke sich während einer symbolischen Fußwaschung im Dom von Trient gegenseitig um Verzeihung für das im Lauf der Jahrhunderte zugefügte Unrecht gebeten haben.

Ökumene heißt aber mehr als nur Begegnung mit der katholischen Kirche und so war das Lutherjahr auch Anlass für intensiven Austausch mit anderen evangelischen und christlichen Kirchen wie der Pfingstbewegung und den Orthodoxen. Am Reformationsfest der ELKI in der Gemeinde Mailand wurde zusammen mit Adventisten, Baptisten, Methodisten und Waldensern eine gemeinsame Erklärung der protestantischen Kirchen Italiens veröffentlicht. Am vergangenen Wochenende hingegen versammelten sich Mitglieder aller protestantischen Kirchen in Rom, um im Rahmen der Gemeinschaft aller evangelischen Kirchen Italiens, FCEI, den 500. Jahrestag der Reformation zu begehen.

Die Reformationsfeierlichkeiten haben der ELKI und ihrer Rolle in der italienischen Gesellschaft sowohl in Italien als auch außerhalb zu mehr Bekanntheit verholfen. Vertreter der ELKI haben an zahlreichen Veranstaltungen in Deutschland teilgenommen und mit Cordelia Vitiello wurde ein Gemeindeglied der ELKI in den Vorstand des Evangelischen Weltbundes gewählt. ELKI Dekan Heiner Bludau und die langjährige Synodalpräsidentin der ELKI, Christiane Groeben, waren Mitglieder der protestantischen Delegation, die am 24. Oktober zum Abschluss des Lutherjahres vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella empfangen wurde. Zum Abschluss der jährlichen Synode wurde im vergangenen April eine Gedenkbriefmarke der ELKI zum Lutherjahr vorgestellt, die das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung herausgegeben hat.

Erklärung des Dekans der ELKI, Pfarrer Heiner Bludau

„Mit großer Freude begehen wir heute den 500. Jahrestag der Bekanntmachung der Thesen Luthers, ein symbolträchtiger Anlass, um ein für unsere Kirche unvergessliches Gedenkjahr abzuschließen. Und diese Freude wird umso größer, da wir heute gemeinsam mit der römisch-katholischen Kirche eine gemeinsame Erklärung zur Ökumene herausgeben können. Was dieses Jahr für uns so einzigartig macht, ist die verstärkte ökumenische Annäherung, zu der es Anlass gegeben hat, aber auch die Tatsache, dass wir über die Feierlichkeiten der Figur Luthers und der Rolle des Luthertums in Italien mehr Raum und Bedeutung verleihen konnten. Nicht zuletzt war dieses Jahr, indem wir uns den vielen Fragen über unseren Glauben gestellt und ihn nach außen getragen und erklärt haben, auch für uns eine Chance, die Grundlagen unseres Credo und unserer Wurzeln neu zu entdecken, und aus neu gefundener oder bestätigter Überzeugung heraus, neue Anregungen zum Dialog zu finden. Die wichtigste Botschaft dieses 500-Jahr-Gedenkens ist jene, nie den verantwortlichen Blick auf die anderen und auf die Welt, in der wir leben zu verlieren, ebenso wie die stete Bereitschaft, uns im diakonischen, im ökumenischen und interreligiösen Bereich zu einzubringen. Es ist nun Aufgabe des Konsistoriums und aller Gemeinden unserer Kirchen aus diesen reichen Erfahrungen zu schöpfen und sie in die tägliche Arbeit und in das Leben der Gemeinschaft einfließen zu lassen.“

Nd

*verbindlich ist der italienische Originaltext