Lutherische Synode 2016, zwischen Wahlen und Entscheidungen - Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Lutherische Synode 2016, zwischen Wahlen und Entscheidungen

GEORG SCHEDEREIT IST DER NEUE PRÄSIDENT DER SYNODE. WOLFGANG PRADER GEWÄHLTER VIZEPRÄSIDENT.

RELEVANTE BESCHLÜSSE ZUM THEMA “PATIENTENVORSORGE AUS CHRISTLICHER SICHT” UND VERSTÄRKUNG  DES EINSATZES FÜR FLÜCHTLINGE UND MIGRANTEN 

Die drei Laienmitglieder des Konsistoriums ernannt:
Cordelia Vitiello und Angelo Ruggieri bestätigt, 
die neugewählte Ingrid Pfrommer übernimmt das Schatzmeisteramt

Rom, 26. April 2016 – Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien (ELKI) gibt den Abschluss der Jahressitzung der Synode, welche vom 22. bis 25. April in Südtirol, in der Lichtenburg Stiftung S. Elisabetta di Nals (BZ) stattfand, bekannt.

Und direkt aus Südtirol kommen die beiden neuen Leiter der Synode: die Mitglieder des höchsten Organs der ELKI – welches über alle Fragen des kirchlichen Lebens berät und beschließt – haben Georg Schedereit aus der Lutherischen Gemeinde in Meran und Wolfgang Prader aus der Bozner Gemeinde zum Präsidenten bzw. Vizepräsident gewählt

Der Präsident Schedereit, 66 Jahre, doppelte Staatsbürgerschaft italienisch und deutsch, verheiratet und Vater von drei Kindern, ist ein Journalist, seit kurzem in Rente, der im Laufe seiner Karriere für BBC, Radio Londra und lange für das jetzige RAI Südtirol gearbeitet hat.

Der Vizepräsident Prader, 40 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Mädchen, ist Fachmann im technologischen Bereich, und gehört seit 2014 zur Lutherischen Kirche, seit seiner Konvertierung vom katholischen Glauben.

Die Synodentagung hat auch die drei Laienmitglieder des Konsistoriums ernannt.

Wiedergewählt wurden, das ihnen 2012 verliehene Mandant erneuernd, Angelo Ruggieri (Lehrer, 49 Jahre, verheiratet mit einem Sohn und Mitglied der Gemeinde Torre Annunziata) in seinem Amt als Konsistorialrat und Cordelia Vitiello (50 Jahre, verheiratet mit einem Sohn, zur Gemeinde Neapel gehörend, Vizepräsidentin des Krankenhauses Villa Betania Neapel) als Vizepräsidentin des Konsistorium, an welche die rechtliche Vertretung der ELKI gebunden ist.

Neu gewählt wurde hingegen in das Konsistorium Ingrid Pfrommer, Personalleiterin in einer sozialen Genossenschaft, 55 Jahre, verheiratet mit einer Tochter und Gemeindepräsidentin im Kirchenvorstand der Gemeinde Turin; sie übernimmt die Verantwortung als Finanzbeauftragte der ELKI.

Während der Synode sind schließlich auch die Laienmitglieder des Finanzausschusses und der entsprechenden Ausschüsse – Rechnungsprüfer, Schlichtungsausschuss und Ausschuss für  Glaubensfragen – gewählt worden.

Die Synodentagung 2016 ist, neben den Wahlen und der Bestätigung in den Ämtern, durch Diskussionen und Entscheidungen zum Thema “Patientenvorsorge aus christlicher Sicht” und der Aufgabe, den diakonischen Einsatz für die Aufnahme und die Hilfe für Flüchtlinge und Migranten zu verstärken, charakterisiert gewesen.

Die Synode hat dementsprechend die Anträge, mit denen entschieden wurde, sich die Handreichung „Patientenvorsorge aus christlicher Sicht“ zu eigen zu machen, positiv abgestimmt. Ein Vademecum zur Patientenverfügung gibt eine christliche Sicht, welche von der Kommission zum Thema Patientenvorsorge (Patientenverfügung) und Schutz der sterbenden Person erarbeitet wurde. Die Kommission wurde gemäß des Synodalbeschlusses aus 2013 ernannt und besteht aus zwei Pfarrern und vier Laienmitgliedern. Außerdem wurde beschlossen, eine Handreichung in Form einer Broschüre, welche an alle Gemeinden und ihre Mitglieder und auch als Link auf der Homepage der offiziellen Seite der ELKI (www.chiesaluterana.it) zu veröffentlichen, um das gesamte von der Kommission erarbeitete Material, welches aus Platzgründen nicht in die Handreichung hinzugefügt werden konnte, zur Verfügung zu stellen: auf diese Art werden die Informationen einem größeren Publikum zur Verfügung stehen können, einschließlich ökumenischen Partnern und allen an diesem Hilfswerkzeug interessierten Laien.

Zum Thema der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten hat die Synode einen Antrag angenommen, mit dem sich die ELKI das Flüchtlingsprojekt der Gemeinde Sizilien, welches dadurch von einem territorialen zu einem nationales Projekt wird, zu eigen macht: die Gemeinde Sizilien setzt sich hier schon seit längerem – gemeinsam mit den protestantischen Waldenser und Baptisten Gemeinden, sowie auch mit dem Verein “Catania insieme” – bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen aus West-Afrika ein, welche von dort des Öfteren in dramatischen körperlichen und psychologischen Zuständen ankommen.

Und damit der diakonische Einsatz mit mehr Kraft und realen Fähigkeiten wächst, hat die Synode beschlossen, das Konsistorium zu beauftragen, die Stelle für einen “Diakoniereferenten” mit der Aufgabe, die Organisation der sozialdiakonischen Aufgaben der ELKI zu koordinieren, einzurichten. In einer Zeit der großen Herausforderungen, unter Anbetracht der überschaubaren Größe der Gemeinden der ELKI und der Kirche insgesamt, sowie den dadurch begrenzten Möglichkeiten, sind ein konstruktives Zusammenwirken und eine Bündelung der Kräfte der Kirche und ihrer Gemeinden unabdingbar.

Ich bin äußerst zufrieden mit der Arbeit der diesjährigen Synode, dass sie mit ihren Entscheidungen konkret gezeigt hat, dass die lutherische Welt in Italien in der Lage ist, klare Positionen einzunehmen und konkrete Initiativen zu Fragestellungen öffentlichen Interesses ergreift, unter persönlicher Mitarbeit aller. Das sind Themen, zu welchen unsere Kirche eine Orientierungshilfe anbietet, auf der Basis subtiler theologischer Einschätzungen, wie die Patientenverfügung aus christlicher Sicht, oder sie gibt ein Zeugnis christlicher Solidarität mit lebendigen und konkreten Erfahrungen wie im Fall der Aufnahme der vor Hunger, Krieg und Verfolgung  auf der Suche einer Hoffnung Flüchtenden – bestätigt Heiner Bludau, Dekan der ELKI – Ich möchte außerdem den Neugewählten meinen aufrichtigen Glückwunsch aussprechen für eine gute Arbeit, in der Überzeugung, dass sich jeder von ihnen mit Engagement, Ideen und neuen Projekten einbringt, die grundlegend sind für das Wachstum unserer Kirche, die sich außerdem kurz vor einem besonderen Ereignis, nämlich der 500 Jahrfeier der Reformation von Luther, welche im Jahr 2017 gefeiert wird, befindet.”

Im Laufe der Versammlung wurde den eigenen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Reformation in 2017, welche besonders die Gemeinden Mailand und Venedig einbezieht, viel Platz gewidmet. Die erste der beiden Gemeinden wird bei der Organisation eines “Nationalen italienischen protestantischen Kirchentages” behilflich sein: vier Tage mit Terminen, welche in der Hauptstadt der Lombardei zwischen dem 1. und 4. Juni 2017 stattfinden. Die Gemeinde Venedig wird hingegen bei der Organisation eines “Theologischen Seminars” in italienischer Sprache, in Kooperation mit dem Konsistorium, dem Melanchthon Zentrum, dem Verantwortlichen für die Prädikanten der ELKI und der ASLI, mit dem Ziel, Informationen und Weiterbildung zu den protestantischen Grundsätze anzubieten, mitwirken.

Während der Synode sind außerdem die traditionellen Berichte zu den vielen Projekten, welche die Lutheraner in Italien unterstützen oder an welchen sie konkret teilnehmen, besonders im ethischen Bereich, wie z. B. mit der Führung des Kindergartens und der Grundschule in Santa Maria La Bruna (NA), gehalten worden.

Und schließlich, in ihrer Rolle als neugewählte Vizepräsidentin des Rates der FCEI, hat Christiane Groeben – scheidende Synodalpräsidentin – die Leitlinien ihres Mandats erläutert: mit mehr Kraft die Stimme der ELKI in die FCEI einbringen und dazu beitragen, dass die Prioritäten des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien besser wahrgenommen werden in der ELKI.

Neben der Vizepräsidenz im Rat der FCEI wird Christiane Groeben in Kürze die Redaktionsleitung für Miteinander/Insieme, der zweimonatigen zweisprachigen (italienisch und deutsch) Zeitschrift der ELKI übernehmen.

BMP (Presseagentur der ELKI)