Das Leben Martin Luthers
Martin Luther wird am 10.11.1483 in Eisleben geboren. Sein Vater Hans Luther war aufstrebender Unternehmer im Bergbau. Zusammen mit sechs Geschwistern wächst er heran. Er besucht die Schulen in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach. Dem Wunsch seines Vaters entsprechend studiert er in Erfurt an der Grundlagenfakultät und schließt sie 1505 mit dem Magister Artium ab. Danach hält er als Magister Vorlesungen und beginnt gleichzeitig ein Jurastudium.
Die Atmosphäre, in der er lebt, bestimmt auch seine Gedankenwelt: die alte mittelalterliche Angst vor dem Gericht Gottes nach dem Tod verlässt ihn nicht, auch wenn er – als Schüler – viel Zeit mit den „Brüdern vom gemeinsamen Leben“ verbracht hatte, ein – für die damalige Zeit – sehr gemäßigter christlicher Verband..
1505 gerät Luther in ein schweres Gewitter und gelobt in seiner großen Angst der heiligen Anna, er wolle Mönch werden, sollte er dieses Unwetter überleben. Am 17. Juli 1505 bittet er um die Aufnahme in das Kloster der Augustinereremiten in Erfurt. Im folgenden Jahr legt er die Ordensgelübde ab und wird 1507 zum Priester geweiht.
Er beginnt ein Theologiestudium in Erfurt, das er in Wittenberg fortsetzt, wohin er 1508 von seinem Orden versetzt wird. Im Jahr danach wird er Baccalaureus und geht zurück nach Erfurt, um dort als Theologe tätig zu sein. 1510/11 macht er in Ordensangelegenheiten eine Reise nach Rom. Die mäßige Begeisterung für eine verweltlichte und höfische Kurie hindert ihn nicht, seinen religiösen Pflichten nachzugehen und die verschiedenen Heiligtümer, wie z.B. die „scala sancta“, in Rom zu besuchen. Zurückgekehrt, wird er endgültig in den Augustinerkonvent nach Wittenberg versetzt.
Luther studiert weiter Theologie und wird 1512 zum Doktor der Theologie promoviert. Anschließend wird er Professor für Biblische Wissenschaften. Er hält bis 1517 u.a. Vorlesungen über die Psalmen, die Briefe an die Römer, Galater und Hebräer. Innerhalb des Ordens wird er 1515 Distriktsvikar.
Sein Studium verändert und beeinflusst sein theologisches Denken. Unter Theologieprofessoren, Priestern und Mönchen findet er Gleichgesinnte. Bald äußert er sich öffentlich kritisch über den Verkauf von Ablassbriefen, wie er damals üblich wurde. Namentlich prangert er die Methoden und die Praxis des Johannes Tetzel an. Am 31. Oktober 1517 ruft Luther zu einer öffentlichen Diskussion über den Ablass auf, zu dem er 95 Thesen verfasst hat. Sie verbreiten sich schnell und führen zur Diskussion im ganzen Reich darüber. Der zuständige Bischof in Magdeburg, der am Verkauf der Ablassbriefe viel verdient, um hohe Schulden bezahlen zu können, wendet sich an die Kurie in Rom. Die erste Reaktion des Papstes ist eine Abwertung der Thesen als „Streit unter Mönchen“. Erst im August des darauffolgenden Jahr, als die Thesen weit verbreitet sind, wird er nach Rom vorgeladen. Auf Intervention seines Landesherrn kommt Kardinal Cajetan aus Rom, um Luther in Augsburg zu verhören. Dieser findet Luther der Ketzerei schuldig und erwartet vom Landesherrn, dass er Luther entweder dem Papst unterstellt oder aber des Landes verweist.
1519 findet in Leipzig eine öffentliche Diskussion zwischen dem Theologen Johannes Eck und Luther statt, die beide 1518 in Augsburg verabredet hatten. Die gegensätzlichen Standpunkte werden vorgetragen, aber es kommt zu keiner Einigung. Im Gegenteil! Eck drängt den Papst, Luthers Verurteilung vorzunehmen. Das geschieht 1520.
1520 verfasst Luther eine Reihe von Schriften, die für die Reformation grundlegend wurden. Unter ihnen: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „An den christlichen Adel deutscher Nation“.
Aus seinem Studium der Bibel, namentlich des Römerbriefs, kommt Luther zu der Einsicht, dass der Mensch nicht durch eigene gute Werke, die als Verdienst angerechnet werden, vor Gott gerecht wird, sondern allein durch den Glauben an die rechtfertigende Gnade Gottes. Dabei lehnt er gute Werke keineswegs ab; sie sind jedoch Frucht des Glaubens und nicht Voraussetzung der Gnade.
Die lehrmäßigen Grundlagen der Reformation lassen sich in den Schlagworten zusammenfassen: Sola fide: Gerechtigkeit vor Gott kommt allein aus Glauben.
Sola gratia: Gott schenkt seine Gnade, ohne dass der Mensch dafür Leistungen vorbringen muss.
Sola scriptura: Allein aus dem Wort der Heiligen Schrift kommt die Erkenntnis dieser Glaubenswahrheiten. Die Bibel ist im Prinzip jedem Christen zugänglich und verständlich.
Solus Christus: Allein Christus ist der Heilsmittler.
Nach Beratung im Freundeskreis reagiert Luther auf die Bulle des Papstes, indem er sie zusammen mit den Büchern über kanonisches Recht und einem Handbuch für Priester zur Beichte öffentlich auf einem Scheiterhaufen in Wittenberg verbrennt. Kaiser Karl V. schaltet sich ein und lädt Luther auf den Reichstag nach Worms vor. Er wird vom Kaiser angehört, nachdem vorher gegen ihn Anklagen vorgetragen werden. Das Ergebnis: Weil Luther nicht bereit ist, seine Vorwürfe gegen die Kirche sowie seine theologischen Schriften zu widerrufen, wird das sogenannte "Wormser Edikt" erlassen. Darin wird Luther für vogelfrei erklärt und seine Schriften sowie deren Lektüre verboten.
Sein Landesherr lässt Luther auf der Rückreise nach Wittenberg pro forma verhaften und auf die Wartburg in Sicherheit bringen, wo Luther unter dem Pseudonym „Junker Jörg“ lebt. Luther nutzt die Zeit und übersetzt das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche und verfasst andere Schriften.
Weil in seiner Abwesenheit in Wittenberg seine Freunde und andere die Reformation durch radikale Maßnahmen (Bildersturm) in die Tat umsetzen wollten, kommt es zu Auseinandersetzungen und Unruhen. Luther verlässt die Wartburg und kehrt im März 1521 nach Wittenberg zurück, um durch Predigten der Bewegung Einhalt zu gebieten, die er so nicht mittragen kann.
Von nun an widmet sich Luther verstärkt dem Aufbau einer neu geordneten, auf biblischen Grundlagen aufgebauten Kirche. So ordnet er den Gottesdienst neu und verfasst die deutsche Messe.
Die Zahl der Sakramente ist z. Z. Luthers noch nicht recht definiert. In der Tat diskutierte man noch in manchen Universitäten über die rechte Anzahl der Sakramente, wobei manche auf bis zu 30 Sakramente kamen. Luther entschied sich für drei Sakramente: Taufe, Abendmahl und Busse. Später beschränkt er sie auf die ersten Zwei, da nur diese durch Christus persönlich eingesetzt wurden und im Abendmahl der Begriff der Busse mitgetragen wird. Er verfasste Schriften über die Ehe, über Visitationen, verfasst einen Kleinen Katechismus für die Gemeindemitglieder und einen Großen Katechismus für die Pfarrer. Aber er schreibt auch über die Bauernaufstände, über Juden und Türken. Gerade in diesen Schriften erweist er sich als ein Kind seiner Zeit, das geprägt ist von Fremdenhass. (Manche Schriften sind in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland so missbraucht worden, dass Luther als Gründer des Antisemitismus erscheinen kann). In Wirklichkeit hat Luther einfach die theologische Meinung seiner Zeit geteilt und die Juden für „Gottesmörder“ gehalten. Aber an bekehrte Juden hat er nichts auszusetzen. Es ging ihm um den Glauben, nicht um die Rasse! Insgesamt kann Luther es bis 1530 erreichen, dass in den Ländern, in denen die Reformation eingeführt wurde, und das waren fast alle, kirchliche Ordnungen eingeführt werden. Sie sehen zwar in jedem Land anders aus, bleiben in ihren Grundlagen aber gleich.
Luthers Botschaft vom Priestertum aller Gläubigen, d.h. dass jeder Getaufte Anteil hat am Priesteramt der Kirche, breitet sich schnell aus und bringt die Reformation in Bewegung. Begleitet wird sie von vielen Liedern, die Luther gedichtet hat und die das Kennzeichen lutherischer Christen werden sollten. Man sang sie in Gottesdiensten ebenso wie bei anderen Veranstaltungen.
All die Jahre hindurch arbeitet Luther an der Übersetzung des Alten Testaments. 1534 erscheint: „Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift“ in Luthers Übersetzung in deutscher Sprache. Luther hat damit etwas geleistet, was für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache bahnbrechend werden sollte.
1525 heiratet Luther Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne. Ihnen werden sechs Kinder geschenkt.
Nachdem es Kaiser Karl V. gelingt, einen Waffenstillstand mit den Türken und einen Frieden mit Frankreich zu erzielen, widmet er sich deutschen Problemen. Auf einem Reichstag in Augsburg sollen die Anhänger Luthers und die Altgläubigen ihre jeweiligen Bekenntnisse vorlegen. Das sogenannte Augsburger Bekenntnis von 1530 (Art. 1.3) wird für die weitere Entwicklung wichtig. Luther hat es kritisch begleitet und akzeptiert.
Er widmet sich in der Folgezeit in erster Linie der Visitation von Gemeinden in Sachsen und Thüringen und verfasst weitere Schriften. Versuche, zu einer Einigung mit den Vertretern der Kurie in Rom zu kommen, gelingen nicht.
Am 18. Februar 1546 stirbt Martin Luther in seinem Geburtsort Eisleben. Vier Tage später wird er in der Schlosskirche in Wittenberg beigesetzt.


