»Wenn Gott für uns ist,
25.05.2010
Die Synode 2010 ist vorbei – die Kirchenleitung ist mit dem Eintritt des neuen Vizedekans Ulrich Eckert wieder vollzählig, eine erfolgreiche Wahl liegt hinter uns. Ich danke allen Menschen in unserer Kirche, die sich mit der Arbeitsweise und den Zielen des Konsistoriums, dem ich seit 2005 vorstehe, identifizieren
konnten; die unser Bemühen um Einheit, Regelung, Wachstum als richtig interpretiert haben.
Das Rad der Geschichte in der ELKI dreht sich schneller als andernorts. Getroffene Entscheidungen geraten schnell in Vergessenheit. Tagesgeschäfte gewinnen mit ihrer aufgeregten Wichtigkeit mitunter die Oberhand über notwendige allgemeine Klärungen, das Personalkarussell dreht sich Schwindel erregend – im doppelten Sinn des Wortes – und was gestern einmal galt und Konsens war, wird heute oder morgen vergessen oder für falsch gehalten. Wechsel und Veränderung beanspruchen unsere kleine Kirche. Darum ist Kontinuität eine gute Voraussetzung, um einmal beschrittene Wege zielgerichtet weiter zu gehen. Danke, dass Sie uns dies ermöglichen.
In meinem diesjährigen Dekansbericht habe ich eine Rückschau auf Philipp Melanchthon gehalten, den stillen, behutsamen Denker, den »kleinen Griechen«, Freund Martin Luthers. Trotz seines vermittelnden, abwägenden Wesens einer, der sich traute, die Dinge beim Namen zu nennen. Der mit diplomatischen und versöhnlichem Geschick auch sehr konträre Positionen ins Gespräch bringen konnte, und der mit der Methode des geduldigen Vermittelns etwas sehr Evangelisches bewirken wollte: die Verbreitung des Gottvertrauens in einer Welt voller Besserwisserei und Unglaubens. »Wenn Gott für uns ist, wer könnte wider uns sein?« – Das war das Lebens- und Denkmotto von Melanchthon. Mit dem Festhalten an diesem Grundbekenntnis ruft er zur Mäßigung auf, und zum inhaltlichen Engagement, zum Einsatz mit Herz und Geist für die Sache, die ihm wichtig war: das Evangelium in der Welt zu verkünden.
Vor uns liegen vier Jahre ELKI-Geschichte, die gefüllt werden wollen. In jeder Kirche besteht immer wieder die Notwendigkeit, Interessen auszugleichen. Und auch die Notwendigkeit, einen gemeinsamen Gedanken als Ziel für alle Entscheidungen und jedes Handeln zu sichern. Das sogenannte »ELKIBewusstsein «; man kann auch sagen: eine gesamtkirchliche Sicht der Dinge – oder corporate identity. Woher kommt diese? Wenn wir Melanchthon fragen, so sehen wir das Vertrauen als einen starken Motor seines Handelns und Denkens; auch bei der Beurteilung von Leitungsaufgaben in der Kirche. Das Gottvertrauen. Das Vertrauen auch darin, dass alle unterschiedlichen Kräfte in der Kirche zum Wohl des Ganzen beitragen.
Eine notwendige Aufgabe bei der Pflege einer Kirche ist also Vertrauensbildung, sowie die Begleitung und Stärkung der Gemeinden. Dabei ist Geduld ein guter Berater.
Viel kann sich ereignen, wenn wir nicht große Träume spinnen, sondern die Realität als Aufgabe begreifen, um aus ihr das Beste zu machen. Denn eine kleine Kirche, die den gelebten Glauben sichtbar machen möchte, muss kleine Ziele verfolgen, wenn sie erreichbar sein sollen.
Dabei bleibt ein wichtiges Ziel, die Einheit und Solidarität in der gesamten Kirche. Dafür braucht vor allem die Kirchenleitung Ihre Hilfe, liebe Leserinnen und Leser. Wir brauchen »Wir bitten dich, uns und vor allem diejenigen, denen du die Sorge um die Unterweisung und um die Leitung deiner Herde anvertraut hast, huldvoll zu behüten und zu bewahren, damit sie die wahre und heilsame Lehre über deine Herrlichkeit und das Heil aller Menschen mit ausreichendem Erfolg an die Nachwelt übergeben und weiter ausbreiten.«
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich und wünsche uns für die kommende Zeit Gottes Segen, Geduld miteinander und viel Freude und Frieden in unserer Kirche.
Dekan Holger Milkau


