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Segnung von Paaren in außergewöhnlichen Lebenspartnerschaften: Ein erster mutiger Schritt

Interview mit Dekan Milkau

10.06.2010

Von Marta D’Auria

Auf der letzten Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI), die vom 30. April bis 3. Mai in Verona stattgefunden hat, wurde ein Beschluss zu „Lebensgemeinschaften“ gefasst, der besagt, dass alle Personen, ohne Diskriminierung jeglicher Art, das Recht haben, im Glauben begleitet zu werden. Besonders wird in dem Beschluss jedoch bekräftigt, dass sich gleichgeschlechtliche Paare in verbindlichen Lebensgemeinschaften in einem Gottesdienst segnen lassen können. Wir haben den Pfarrer Holger Milkau, der für weitere vier Jahre als Dekan der ELKI bestätigt wurde, getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

-          Welcher Weg, im Inneren der ELKI, hat zu der Fassung (Ausarbeitung) dieses Beschlusses geführt? Gab es Widerstände?

„Der Weg hat im Jahr 2003 begonnen als auf der Synode in Brescia ein Dokument präsentiert wurde, das die Pfarrkonferenz ausgearbeitet hatte. Es bespricht die Segnung von Personen, die nicht verheiratet sind, dazu zählen natürlich auch die Personen gleichen Geschlechtes. Damals hat die Synode beschlossen, einen Prozess der Meinungsbildung zu dieser Thematik in den Gemeinden anzustoßen. Leider wurde dies nicht befolgt. Es ist nun einige Zeit vergangen und dadurch, dass es konkrete Anfragen gegeben hat, wurde der diesjährigen Synode der ELKI ein Antrag präsentiert, der dabei helfen soll, ein größeres Bewusstsein für Lebenspartnerschaften zu schaffen. Dies ist eine wichtige Prüfung für unsere Kirchen.“

-          Um den Meinungsbildungsprozess zur Thematik  in den Gang zu bringen, hat die Synode eine Arbeitskommission ins Leben gerufen. Welche sind deren Aufgaben?

„Diese Kommission wird, in Ausführung des Synodalbeschlusses, ganz spezielle Inputs ausarbeiten, die den örtlichen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, da hier die Reflektion und die Vertiefung des Themas der Homosexualität begonnen werden sollen.“

-          Es passiert oft, dass die Erklärungen der Synode, vor allem zu heiklen Fragen, von den lokalen kirchlichen Realitäten oft nur lauwarm aufgenommen wird. Was erwarten Sie sich im Falle der Lutherische Kirche in Italien?

„Die Thematik der Sexualität im Allgemeinen und die der Homosexualität im Besonderen ist sehr delikat. Sie bringt Widerstände mit sich, Ängste, die in der Vorbereitung des Synodalenprozesses aufgetreten sind. Die Widerstände sind aber nicht generationsbedingt: Manche ältere Menschen haben eine sehr offene Wahrnehmung der Thematik, während andere jüngere Menschen auch die geringste Zustimmung verweigern. In der Tat, die Vielfalt der biblischen Zeugnisse, die mit Homosexualität zu tun haben, spiegelt sich in unseren Gemeinden wieder: Es gab Stimmen, die sehr viel Sorge über den Prozess, den die ELKI begonnen hat, geäußert haben und gleichzeitig gab es auch viel Zustimmung. Im Umgang mit dieser Herausforderung muss man den richtigen Weg finden, um die verschiedenen Positionen auszugleichen.

-          Im Antrag wird ausdrücklich erwähnt, dass der Segnungsgottesdienst für Paare gleichen Geschlechtes sich von der liturgischen Form einer Hochzeit unterscheidet. In welchem Sinne?

„Ich muss hier erstmal ganz allgemein sagen: Mir persönlich hat es nicht gefallen, dass von „schwuler Hochzeit“ gesprochen wurde. Das ist eine Formulierung, die schon vom emotionalen Gesichtspunkt her Widerstand auslöst, da man unter einer Hochzeit bzw. der Ehe die Lebensverbindung eines Paares (Mann-Frau) mit dem Ziel, Kinder zu zeugen, versteht. Die durch die Hochzeit begründete Ehe ist die Einheit, in der die Zeugung des menschlichen Geschlechts entsteht und dies hat an sich schon einen großen Wert. Wenn man unpassende Begriffe (wie Hochzeit) benutzt, ruft man unnötige Provokation hervor. Stattdessen muss man bei dem Gebrauch bestimmter Ausdrücke aufpassen, da diese gewisse Unterschiede beinhalten. Dies ist ein erster Schritt, der auch durch eine liturgische Formel zur Anwendung bei der Segnung festgehalten werden soll. Das biblische Zeugnis, das hinter der Liturgie einer Hochzeit steht, ist natürlich an ein aus Mann und Frau bestehendes Paar gerichtet. Die Hochzeit, mit ihrem besonderen Wert in der christlichen Tradition, ist mit anderen Formen des Zusammenlebens nicht vergleichbar. Die Lutherische Kirche hält es jedoch für legitim, dass Personen, die durch eine Liebesbeziehung verbunden sind, dieser mit der Segnung durch Gott eine Bedeutung verleihen möchten.“

-          Gab es von Seiten der anderen Kirchen Kommentare zu dieser historischen Entscheidung der ELKI?

„Im protestantischen Umfeld haben wir keine deutlichen Reaktionen gehabt. Wir sind in diesen Wochen leider jedoch sehr besorgt über die aggressiven Reaktionen einer ultra reaktionären Gruppe der römisch katholischen Kirche in Verona, der Stadt wo die Synode stattgefunden hat, gegenüber der lutherischen Präsenz vor Ort. Es tut uns leid, dass das Verhalten dieser Gruppe auch in der katholischen Gemeinde Veronas großen Widerstand erregt hat, die sich nun von jeder Kirche distanziert hat, die eine zu große Öffnung gegenüber Homosexueller vornimmt.“

-          Denken Sie, dass ein solcher Weg wie dieser, den die lutherische Kirche eingeschlagen hat, die Aufmerksamkeit und das Interesse der italienischen Gesellschaft erweckt?

„Ja, in jeden Fall. Die Homosexualität ist eine Tatsache, mit der sich jede Gesellschaft früher oder später auseinandersetzen muss. Auch die Kirche darf nicht die Hände in den Schoß legen und denken, dass sie das alles nichts angeht. Denn das gelebte Leben mahnt und verpflichtet uns dazu, zu verstehen, dass es ein tiefes und allumfassendes Recht, ist als Mensch nicht aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert zu werden. Hierbei – und das sage ich nicht mit Stolz – hat die lutherische Kirche vielleicht gespürt, dass sie einen ersten mutigen Schritt wagen muss. Ich bin froh, dass wir durch die vielseitige Diskussion, die in unseren Kirchen angestoßen wurde, versuchen können, die Gesellschaft an einen nötigen und gebührenden Prozess teilhaben zu lassen und damit das christliche Mandat erfüllen zu können, den Menschen mit Gottes Liebe aufzunehmen und zu begleiten.“

 

(Riforma, 22/2010, S. 7)

 

 

 

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